5. Februar 2016

Die „Calatrava“ aus Grenchen

Karl Heinz Nuber

Quelle: tick-talk.ch

Der zur Baselworld 2015 gelungene Marken-Relaunch von Fortis ist Anlass, dass ich in meinem Blog darüber berichte. Auch die beiden neuen Manager, Max Wedel zuständig für Marketing und Maximiliam Spitzy, Fortis CEO, beide Österreicher, beides Landsleute, die längere Zeit im Ausland gearbeitet hatten, haben meine volle Sympathie.

Nicht nur der Marken-Relaunch des von Walter Vogt 1912 in Grenchen gegründeten Unternehmens, sondern vielmehr ist es auch die Kollektion, die neu in vier Welten – Cosmonautis, Aviatis, Aquatis, Terrestis – für jeden gut verständlich – aufgeteilt wurde. Laut Wedel wurde damit die Anzahl der Modelle radikal von 126 auf 49 reduziert. Besonders ins Auge gesprungen ist mir dabei die letztere Modell-Linie, die Terrestis, die eine Hommage an die grossen Pionierjahre – von den Erfolgen der 1930er und 40er Jahredarstellt.

Die Terrestis Kollektion – wie zum Beispiel die Modelle 2Pi von Rolf Sachs, die Orchestra, die Hedonist, die 19Fortis p.m. oder a.m und die Tycoon – wurde neu von den renommierten Scarinzi-Brüdern aufgelegt. Dabei wurde ein schlankes, elegantes Design mit Fortis-typischer Robustheit kombiniert. Zudem wurden die Uhren mit einer neuen eleganten Krone ausgestattet. Die Zeiger wurden nach Originalen der 1940er Jahre erarbeitet. Ein neues Gehäuse mit einem verschraubten Mineralglas-Boden – acht Schrauben – beinhaltet das Swiss Made Automatik Werk ETA2895-2 mit einer Gangreserve von 42 Stunden. Für Fortis neu, die Modelle sind auch in Edelmetall erhältlich.

Spontan verliebt hatte ich mich sofort in die unverwechselbare Formensprache der Orchestra: Das bombardierte warme ecru-farbene Zifferblatt, die nostalgisch inspirierten Feuille-Zeiger, das darüberliegende Saphirglas, die Bandanstösse in Tropfenform inspiriert von Fortis-Modelle aus den 1930er Jahren sowie die neue griffige und zugleich elegante Krone.

Die Orchestra aus der Fortis-Terrestis Kollektion hat für mich das Zeug zum Bestseller. Ich würde den Vergleich mit der „Calatrava“ von Patek Philippe nicht scheuen, natürlich auf einer anderen Ebene da es noch kein eigenes Fortis Manufaktur Kaliber gibt.

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(Maximilian Spitzy, FORTIS CEO)

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(Max Wedel, FORTIS Marketing-Chef)

Bis heute ist die Geschichte der Fortis mit Meilensteinen geprägt. 1926 wurde so zum Beispiel die Serienproduktion der weltweit ersten automatischen Armbanduhr, der legendären Harwood, gelegt. 1940 wurde einer der ersten wasserdichten Uhren der Welt, die Fortissimo, in Grenchen produziert. 1987wurde Fortis mit dem Flieger Classic zum weltweiten Trendsetter bei Fliegeruhren. 1994 Beginn der Kooperation mit ROSCOSMOS Weltraummission Euromir 94: erster automatischer Chronograph im All. 1998 wurde der erste automatische Chronograph mit mechanischem Alarm, eine Weltneuheit lanciert. 2004 gewann die Flieger Classic den ersten European Aviation Watch Award. 2009 Sponsor der Mars Mission (simulierte Reise zum Mars). 2012 wurde der Daybreaker zum hundert jährigen Jubiläum eingeführt, der weltweite erste und einzige Chronograph mit Alarm und GMT Funktion. 2014 konnte Fortis ein Jubiläum der besonderen Art zelebrieren, 20 Jahre im Weltraum. Dies sind jedoch nur einige Beispiele, wollten wir alle Fortis-Meilensteine aufführen, fehlte hier schlichtweg der Platz.

Mit dem 2015 eingeführten Marken-Relaunch erhielt Fortis auch einen neuen Slogan: Face the New. Damit erklärt sich Fortis‘ Philosophie von selbst. „Face the New“ bedeutet zukunftsweisendes Können und stetige Verfeinerungen, die von einem Meilenstein zum nächsten führen. Bis jetzt durch mehr als 100 Jahre – der Uhrenherstellung gewidmet.

Die Philosophie der Meilensteine wird sich in einem neuen Modell Flieger Classic und einem neuen Modell Classic Cosmonauts zur Baselworld 2016 niederschlagen. Ich werde Ende dieses Jahres darüber berichten.

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Zu den Hauptmärkten zählen die Grenchner neben dem Heimmarkt Schweiz, die USA, Japan, Deutschland und Singapur. Neu entwickeln möchte man jetzt den China-Markt. Nicht umsonst spricht der Fortis-Chef Spitzy auch Mandarin, denn er hat zehn Jahre in China gelebt und Firmen aufgebaut, allerdings nicht in der Uhrenbranche.

Fortis baut Uhren im Preissegment ab CHF 900 bis CHF 1 600 und mehr. Das Gros der abgesetzten Modelle bewege sich aber im Preisbereich zwischen CHF 1 500 und CHF 3 000.

Auch künftig will man wie schon seit einigen Jahren ausschliesslich mechanische Uhren anbieten.

Der Quantensprung von Fortis wird also noch lange anhalten. Ich wünsche es von Herzen dem österreichischen Duo an der Fortis Spitze.

Maximilian Spitzy, Fortis Neo-CEO meinte zu mir: „Wir haben aus Fortis wieder das gemacht, was Fortis immer war“. Oder in meinen Worten, die Zukunft von Fortis lag in der Vergangenheit, beide, Spitzy und Wedel haben sie visibel gemacht.